Kennen Sie das?
„Ich mach noch schnell …!“
Und diese Lückenfüller haben mit „mal eben schnell“ oft rein gar nichts zu tun. Selbst komplexe, zeitintensive Aufgaben erhalten im Alltag häufig das kleine Wörtchen „schnell“ vorangestellt.
Beispiele gefällig?
- „Schnell noch die Küche zusammenräumen“
- „Schnell noch beim Supermarkt vorbeifahren“
- „Schnell noch einen Anruf erledigen“
Na, wer kennt’s?
Ich gestehe: Ich war (bin?) auch so eine. Ich ging schnell, ich dachte schnell, ich sprach schnell. Aber warum eigentlich? Was hat es damit auf sich?
Warum wir ständig „schnell“ sagen
Ein Grund kann sein:
👉 Unser Alltag ist übervoll. Wenn die To-do-Liste überquillt, glauben viele, durch Tempo mehr erledigen zu können.
Oder:
👉 Wir sind im sogenannten Work-Flow – hoch konzentriert, effizient, im „Lauf“. Wir wollen diesen Zustand nicht unterbrechen.
Oder aber:
👉 Wir folgen alten Mustern oder Glaubenssätzen wie „Was du heute kannst besorgen …“. Wir glauben, wenn wir jetzt viel schaffen, gibt es später mehr Ruhe. Doch das ist ein Irrtum.
🕰 Zeit funktioniert nicht wie ein Konto
Die Idee, Zeit „aufzusparen“ funktioniert nicht.
Zeit lässt sich nicht vorausarbeiten. Sie ist keine Währung.
Mal vergeht sie wie im Flug. Mal zieht sie sich wie Kaugummi. Mal fühlen sich Sekunden wie Stunden an.
Zeit ist subjektiv – nicht planbar, nicht speicherbar.
Und trotzdem denken wir oft:
„Wenn ich mal in Pension bin, dann …“
„Wenn die Kinder größer sind, dann …“
„Wenn der Stress vorbei ist, dann …“
Aber wann ist das genau?
🌿 Meine persönliche Erkenntnis
Ich war junge, berufstätige Mutter mit zwei kleinen Kindern. Und egal wie schnell ich war – es reichte nie. Haushalt und Garten sind Endlos-Aufgaben. Ich sah kein Licht mehr und nahm mir eine Auszeit – ein Wochenende nur für mich.
Aber kaum zurück – zack – steckte ich wieder im Hamsterrad. Die Erholung: verpufft.
Da wurde mir klar:
Ich kann nicht jedes Wochenende wegfahren –
ich muss meinen Alltag verändern.
🚦 Mein Ampelsystem
Heute habe ich ein inneres Warnsystem:
Wenn ich merke, dass ich wieder SCHNELL werde, geht innerlich die gelbe Ampel an. Dann frage ich mich:
- Muss das jetzt wirklich sein?
- Was ist jetzt wichtig – und was kann warten?
- Kann ich Aufgaben delegieren?
- Was bringt mir Ruhe – nicht nur Tempo?
💛 Heute weiß ich: Langsamer ist besser
Ich bremse bewusst. Ich erinnere mich:
Ich habe nur zwei Hände. Ich kann nur eines nach dem anderen tun.
Multitasking? Funktioniert nicht – bei niemandem.
Ich zeige mir selbst Mitgefühl. Ich erkenne: Ich bin ein Mensch.
Und niemand hat etwas davon, wenn ich gestresst bin – am wenigsten ich selbst.
🌸 Fazit:
Das imaginäre Zeitkonto ist ein Mythos.
Es füllt sich morgen wieder – mit denselben Aufgaben wie heute.
Aber mein Wohlbefinden, das ist nicht wiederholbar.
Deshalb:
Nicht schneller leben – bewusster.

