Ein Kunde bekam von seiner Frau mitgeteilt, dass sie die Scheidung, welche bereits seit Jahren im Raum stand, jetzt doch durchführen will. Dabei legte sie ein sehr schnelles Tempo vor und gab keine Erklärungen, warum dies so schnell gehen müsse.
Der Kunde hatte sich gerade wieder mit der Beziehungsfortführung arrangiert und war sehr überwältigt, überfordert und im Unklaren darüber, wie und was er jetzt machen soll. Es gab auch keine Beratungsbereitschaft von der Frau.
Neben der Überwältigung und Überforderung und den ungeklärten Fragen war ein großer Punkt die Akzeptanz. Zu akzeptieren, die Beziehung ist jetzt vorbei. Zudem der Abschied von dem bisherigen gemeinsamen Leben. Die Trauer darüber, die letzten 20 Jahre loslassen zu können. Die Version, welche er von sich und seinem restlichen Leben hatte, gab es nicht mehr.
Folge dessen die Fragen: Also wer bin ich noch, ohne meine Frau, Ehe und die Familie? Hinzu kamen die Reaktionen aus dem Umfeld, nach Außen, galt die Beziehung als beständig und gut.
Die Lösung: Die Beratungszeit zu nutzen, um diesen unausweichlichen Schritt akzeptieren zu lernen. Die Trauer darüber auszusprechen und zu fühlen, die Berg- und Talfahrt gemeinsam zu durchleben. Abschied zu nehmen von einem Bild, welches es in der Realität nicht mehr gibt.
Aber dann auch, Lust zu bekommen, etwas Neues zu entdecken, sich selbst neu zu erfinden. Neue Wege zu beschreiten. Und parallel immer wieder die Klärung wichtiger Eckpunkte wie Vermögensaufteilung, Kinderbetreuung und das Elternsein.
Die Beratung nahm ein Jahr in Anspruch, die Scheidung konnte friedvoll und für die Kinder stressfrei vollzogen werden. Der Mann beschrieb sich danach als stabil, geklärt und neugierig auf was da noch kommt. Insgesamt also sehr positiv. Er konnte seinen Prozess unabhängig und außerhalb der eigenen vier Wände durchlaufen. Das Gefühlschaos fand seinen Platz in den jeweiligen Beratungseinheiten. Daher kam es innerhalb der Beziehung zu weniger Streit und der wichtigste Punkt wurde erfüllt: Sie bestehen weiterhin als Elternpaar, die Kommunikation funktioniert und sie haben es geschafft, die aufkommenden Punkte in Zukunft gut besprechen zu können.